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WARUM LÄSST GOTT DAS CHAOS ZU?

 

 

Frage: „Warum lässt Gott so viel Chaos auf der Welt zu? Warum greift er nicht öfter ein und bringt alles wieder in eine liebevolle Ordnung? Wie kann er all das geschehen lassen?“

 

Chaos heißt für uns im alltäglichen Sprachgebrauch: extreme Unordnung. Wir verstehen darunter einen Zustand, der schwer zu kontrollieren und in Ordnung zu bringen ist. Die Notwendigkeit, Ordnung zu schaffen, wird von den meisten Menschen vorausgesetzt, wobei sich die Definition der Ordnung von Mensch zu Mensch unterscheidet. Warum sollte es auch einfach sein in dieser Welt, die gnadenlos verrückt und wundervoll ist?

In der Bibel wird berichtet, Gott habe die Welt aus dem Chaos heraus in eine Ordnung gesetzt. Der Erde war wüst und leer. Daraufhin musste Gott sich entscheiden, in welche Richtung er die Erde sich entwickeln lassen wollte. Mit nie versiegender Bewunderung erschließen wir die Schöpfung täglich mehr, um zu erkunden, in was genau Gott das einstige Chaos verwandelt hat, nicht zuletzt aus dem Interesse für andere „chaotische“ und erdähnliche Planeten heraus, die wir nach und nach im Universum, ihre bisher ungesehenen und angezweifelten Bahnen ziehend, zur Kenntnis nehmen. Die Wissenschaftler aller Forschungsrichtungen „ent-decken“ verblüfft das bis in minimalste Feinheiten gehende und ineinandergreifende Mysterium, das doch nur eine Wahl ist.

Denn die unerschöpfliche Vielfalt, die es einem Schöpfer erlaubt, immer wieder neue Spielarten der geschöpften, erdachten, ersonnenen Dinge, Wesen und Situationen „in die Welt zu bringen“, ist nur eines der überwältigenden Merkmale der Schöpfung. Ein anderes ist die Wahlmöglichkeit. Der Schöpfergott, den die einen denken, oder der ZUFALL, den die anderen denken (und der immer jemanden voraussetzt, der wirft, was uns zufällt), hat sich für den Planeten Erde eine Art Spielregel ausgedacht: Das Prinzip der Polarität. Das heißt: Alles, was gedacht, gefühlt, gesagt und getan werden kann, kann ebenso vollkommen entgegengesetzt gedacht, gefühlt, gesagt und getan werden. Es ist eine Frage der Wahl des vergleichsweise und mehr oder weniger freien Menschen.

Ja, es kommt noch schlimmer oder, sagen wir, komplizierter oder, sagen wir, wunderbarer: Alles, was wir denken, fühlen, sagen und tun beinhaltet zugleich sein eigenes Gegenteil als reine Möglichkeit. Und es kommt noch schlimmer, komplizierter und wunderbarer: Sobald wir das eine denken, fühlen, sagen und tun, tritt das andere, der sogenannte Schatten, in Kraft. Sobald ich liebe, tritt die Möglichkeit in Kraft, zu hassen. Sobald ich gebe, tritt die Möglichkeit in Kraft, zu nehmen. Sobald ich flüstere, tritt die Möglichkeit in Kraft, zu schreien. Dies setzt sich bis in die Unendlichkeit des Möglichen fort, wobei das Mögliche nur den Standort und die Seinsform „Erde“ meint, denn außerhalb dieses Planeten existieren wo-möglich Unmöglichkeiten, die wir noch nicht einmal zu denken und fühlen imstande sind, solange wir in einem materiellen, auf die Anforderungen der Erde zugeschnittenen Körper wohnen und in ihm so lange und gesund wie möglich über die Erdkruste wandern wollen.

Gott schuf also die irdischen Seinsbedingungen samt Pflanzenwuchs, Tier- und Menschbesatzung. Gehen wir davon aus, dass Gott ein von uns getrenntes, überirdisches Wesen ist, müssen wir daraus folgern, dass er übermächtig und sehr phantasievoll ist, im Guten wie im Bösen. Da wir uns einen bösen Gott nicht vorstellen wollen, stellen wir ihn uns lieber gar nicht vor. Denn da er das Böse im Gegensatz zum Guten erschaffen hat, muss auch er böse und gut sein. Das ist verstörend und der Grund dafür, dass er blind verehrt, lakonisch hingenommen, angezweifelt und/oder vollkommen abgelehnt und negiert wird. Der gütige Mann mit Bart ist keine Lösung, nicht nur für die Frauen nicht, die jahrhundertelang hinter ihm zurückstehen und es Maria überlassen mussten, sich quasi auf dem Nebengleis und wie geduldet verehren zu lassen; denn auch die männliche Priesterwelt konnte nie endgültig die Rolle der Frau aus der Geschichte und Relevanz der Menschheit wegdiskutieren, da sie doch 1. von eben diesem scheinbar männlichen Schöpfergott erschaffen worden war, 2. für die Vervielfältigung der Menschheit unerlässlich ist, 3. im Allgemeinen und mit den üblichen, polaritätsgeschuldeten Einschränkungen einfach zu viel Spaß bereitet und 4. den Mann dort ergänzt, wo er sich überfordert fühlt.

 

 

 

Gehen wir indes hypothetisch davon aus, dass Gott die Gesamtheit aller Geschöpfe ist, so haben wir an der Schöpfung der Erde mitgewirkt. Die Vorstellung, wir alle seien dieser Gott, ist wesentlich eleganter als die Vorstellung, Gott sei ein von uns getrenntes Wesen. Obwohl man natürlich einwenden kann, dass der Verstand, mithilfe dessen dieser Gedanke vorgebracht wird, ebenfalls von Gott erschaffen wurde. Dieser Verstand ist auf die Bedürfnisse des irdischen Menschen zugeschnitten, lässt also alles außer Acht, was undenkbar ist, obwohl es existiert; es existiert quasi trotz unserer Unfähigkeit, es zu denken und somit zu erkennen. Sind wir in unserer Gesamtheit Gott, so haben wir uns durch die Selbstverordnung eines beschränkten Denkvermögens freiwillig und absichtsvoll beschränkt. Diese Beschränktheit tritt dann in Kraft, sobald wir uns aus der Unbeschränktheit des Unverkörperten in die Begrenztheit eines Körpers begeben. Aus der höheren „Vernunft“ des rein geistigen Wesens, aus dem Christus-Zustand, der sich mit „müheloser und (sogar vom irdischen Verstand) selbst-verständlicher Liebe“ am besten definieren lässt, wird der „Verstand“, der wie ein Käfer strampelnd auf dem Rücken liegt, wenn er sich nicht augenblicklich und dauerhaft mit der Liebeskraft des Herzens verbindet. Da es, dem Schöpfungsprogramm gemäß, möglich ist, irdische Inkarnationen ohne Liebe zu leben, ist es auch möglich, geistig und seelisch stumpf und rein verständig zu bleiben, ohne die höhere Vernunft auch nur ein einziges Mal zu benutzen. Daraus entsteht Krieg, Zerstörung, Ungerechtigkeit, Intrige.

„Warum lässt Gott das zu?“ ist somit zwar eine berechtigte Frage, aber vielleicht sollten wir sie uns, falls wir alle dieser Gott sind, schleunigst selber stellen. Täten wir dies, hätten wir keinen Schuldigen mehr, den wir verantwortlich machen können für das Chaos, das es nach wie vor auf der Erde gibt, nur eben in anderer Form, als der Schöpfergott es damals vorgefunden hat. Die hilfreichere und ergebnisorientiertere Frage müsste also lauten: „Warum lassen wir das zu?“ Immerhin können und dürfen wir uns diese Frage stellen. Kein wütender externer Gott fährt auf uns nieder und tilgt uns wegen Blasphemie vom Erdboden. Er tut dies nicht, weil er/sie nicht so ist, wie es sich viele Gläubige aller Schattierungen und Nuancen mithilfe ihres Verstandes vorstellen. Er ist auch logischerweise kein „er“, denn wie sollte ein reiner „ER“ eine vollkommene „SIE“ aus sich heraus erschaffen können?

Solange wir aber die Schöpfungsprinzipien in Frage stellen oder ablehnen, können wir nicht konstruktiv damit umgehen und verlieren uns leicht in Resignation, Wut, Angst oder Verzweiflung. Dies ist momentan bei vielen Menschen der Fall, obwohl der Mensch die Krone der Schöpfung ist, wie allgemein angenommen, aber immer mehr angezweifelt wird. Denn einerseits ist der Mensch fähig zu großen Taten, klugen Gedanken, mächtigen Gefühlen und kunstvollen Worten, andererseits kann er im Vergleich zu einem im Wind wogenden wilden Weizenfeld, das seiner Bestimmung nachgeht und im Vergleich zu einer Lerche, die jubilierend über diesem Feld in den kornblumenblauen Himmel aufsteigt, „dumm wie Stroh“ und „stumm wie ein Fisch“ sein, was die Begrenztheit seiner „Wahr-Nehmung“ gleich wieder offensichtlich werden lässt, da Stroh nicht dumm ist und ein Fisch nicht stumm. Der Mensch ist aufgrund der Polaritätsgesetze und daraus resultierenden Wahlfreiheit eben auch fähig zu großen „Un-Taten“ (die leider nicht den Verzicht auf die Tat beinhalten, sondern ihre Ausübung in zerstörerischer Hinsicht), geistiger Selbstbeschränkung, nach- und fahrlässiger Lauheit und sprachlichem Terrorismus.

Und trotzdem sollen wir nimmermüde immer wieder aufstehen, aus den eigenen Irrungen und Wirrungen Liebe und Ordnung herauskristallisieren, sie leben und uns daran freuen, dass dies überhaupt möglich ist. Und wir sollen den Mitmenschen immer wieder neu diese Möglichkeit geben, von der auch wir profitieren: Jeder Morgen ist ein neuer Morgen. An jedem Morgen können wir das, was wir wandeln möchten, wandeln und das, was wir vermehren wollen, vermehren. Auf dass immer mehr Frieden, Freude und Großmut auf diesem Planeten herrsche!