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Büning: „Bocholt muss interessanter werden!“

Bocholt. Das Rennen um das Bürgermeisteramt wird immer spannender. Und das liegt vor allem an der SPD, bei der mit Stefan Schmeink der dritte Sozi-Anwärter ins Rennen geht. Somit sind es mittlerweile fünf Kandidaten. Den Reigen eröffnete für die CDU Thomas Kerkhoff, der momentan noch Bürgermeister in Gescher ist.  Bei der SPD warf zunächst Fraktionsvorsitzender Peter Wiegel (BR vom 3.8.) seinen Hut in den Ring, bevor sein Parteikollege Martin Schmidt  (BR vom 17.7.) ebenfalls seine Kandidatur erklärte. Für die Linke kandidiert deren Vorsitzender Frank Büning, der an der Fachhochschule in Bocholt arbeitet.

 

Bocholter Report: ....und dort genau was macht?”
Frank Büning: „Ich arbeite für den Studiengang Bionik. Dieses Fach hat in einen biologischen und einen technischen Teil. Kurz gesagt ist Bionik die Lösung technischer Probleme durch das Abschauen von der Natur. Ich habe hier an der FH Mechatronic studiert und bin nun als wissenschaftlicher Mitarbeiter zuständig für zwei Professoren. Ich bereite die Lehre vor, betreue die Labore und Studenten. Das bedeutet intensiven Kontakt mit den Studierenden. Ich betreue alle Projekte und alle Praktika, vom ersten bis zum sechsten bzw zehnten Semester, die Professoren haben mit ihren Studenten lediglich während der Vorlesungen Kontakt, alles drumherum betreuen wir wissenschaftlichen Mitarbeiter.“


BR: „Wenn Sie uns einige wesentliche Lebensstationen schildern?“
Frank Büning: „Ich bin 53 Jahre alt, lebe seit meinem zweiten Lebensjahr in Bocholt, seit rund 20 Jahren bin ich mit meiner Frau Christine verheiratet, wir haben eine erwachsene Tochter. Vor meiner Zeit an der Hochschule war ich selbstständiger Fassadenbauer und habe häufig während der Wendezeit im Osten gearbeitet. Ich habe da intensiv die Menschen und deren Probleme kennengelernt. Anschließend hatte ich zusammen mit meinem Bruder ein Antiquitätengeschäft in Bocholt und bin während dieser Zeit oft im Baltikum unterwegs gewesen. Zum guten Schluss habe ich dann mit meinem Bruder einige Jahre einen Hotel- und Gaststättenbetrieb gehabt, wo ich ebenfalls viele Menschen kennengelernt habe - unter anderem meine Frau, die mich motiviert hat, zu studieren. Sie sehen: Mangelnde Lebens- und Berufserfahrung kann mir nun wirklich niemand vorwerfen.“

 

BR: „Wie sind Sie denn zur Politik gekommen?“
Frank Büning: „Als 1998 die rot-grüne Koalition unter Bundeskanzler Schröder regierte, hat sich viel in der
sozialen Gesetzgebung geändert. Für mich, als damaliger Hotelier, sehr zum finanziellen Nachteil. Eine ganz persönliche Erfahrung also, außerdem habe ich auf dem Bau die ungerechten Bezahlungen bei den Handwerkern erlebt. Zu der Zeit habe ich meinen Freund Michael Lemke kennengelernt, mit dem ich nächtelang über Politik diskutiert habe. Er hat mich dann zu den Grünen gebracht. Ich bin also über das globale Interesse an Politik auf die lokale Ebene gekommen. Ich bin der festen Überzeugung, dass Politik sich nur dann ändert, wenn man an der Basis anfängt.“

 

BR: „Was hat sich geändert?“
Frank Büning: „Wenn man auch als kleine Partei geschickte Verhandlungen führt, kann man durchaus etwas erreichen. Wir haben mit den Grünen erreicht, dass  erstmals der soziale Wohnungsbau im Bebauungsplan festgeschrieben wurde. Das war damals für das Gebiet Ellerbrock.“

 

BR: „Und wie kam es zur Entscheidung, für das Amt des  Bürgermeisters zu kandidieren?“

Frank Büning: „Wenn man in einer kleinen Partei ist, ich bin jetzt bei den Linken, dann muss man irgendwann zu dieser Entscheidung kommen. Einer muss das machen und ich glaube, dass ich ein guter Bürgermeister wäre. Das ist Werbung in eigener Sache und es gibt viele Beispiele, wo Linke oder Grüne als Bürgermeister einen guten Job machen. Wenn ich das ernst meine, dass sich grundsätzlich etwas ändern muss, dann muss ich auch Farbe bekennen und mit gutem Beispiel vorangehen.“

 

BR: „Als grüner Kandidat wären die Cha­­­ncen sicherlich besser gewesen als jetzt, wo Sie bei den Linken sind?“
Frank Büning: „Ich hänge mein Fähnchen nicht in den Wind und wechsel danach meine Gesinnung. Ich mache Politik aus Überzeugung. Die Entscheidung, zu den Linken zu wechseln, war eine wohlüberlegte. Ich bin ein sozial denkender ökologischer Mensch und fühle mich mit meinen Überzeugungen bei den Linken am besten aufgehoben, da dort die soziale Gerechtigkeit einen viel breiteren Raum einnimmt.“

 

BR: „Was würden Sie ändern, wenn Sie Bürgermeister wären?“
Frank Büning: „Erstmal würde ich regelmäßige, offene Bürgersprechstunden einführen. Mindestens einmal im Monat lade ich die Bürger in den Ratssaal ein und stelle mich dort den Fragen der Menschen. Dann gibt es Antworten und Meinungen, auf die mich die Bürger festlegen können. Die strategische Ausrichtung in unserer Stadt, wie soll sich Bocholt entwickeln, wie kann ich die Interessen der Menschen vertreten, das gehört in die Öffentlichkeit.“

 

BR: „Und wie wollen Sie mit den Bocholter Unternehmern, mit der lokalen Wirtschaft umgehen?“
Frank Büning: „Viele Leute denken, links zu sein ist gleichbedeutend mit ‚gegen  Unternehmer‘ gerichtet. Das ist ein völliger Trugschluss. Links zu sein bedeutet, gegen die großen Kapitalgesellschaften zu sein, die den Fokus verloren haben. Dort werden Geschäftsführer von der Aktiengesellschaft wiedergewählt, wenn der Gewinn stimmt. Der Mittelstand hingegen, Firmen mit einigen hundert Mitarbeitern, wo der Chef an der Spitze steht, das ist das, was wir Linke wollen. Wir unterstützen ebenso die kleinen inhabergeführten Geschäfte in der Innenstadt. Die haben in Bocholt das Problem zu hoher Standgebühren für Stellplätze außerhalb ihres Ladens. Das sollte meiner Meinung nach kostenfrei sein. Das ist für mich ein Ansatz der Wirtschaftsförderung und macht die Innenstadt interessanter.“

 

BR: „Was sagen Sie zur örtlichen Gastronomie?“
Frank Büning: „Wir haben zu wenig Außengastronomie in Bocholt, das muss mehr werden. Ich möchte, dass in der Ravardistraße nur noch Fußgänger unterwegs sind, keine Radfahrer mehr, um der Außengastronomie mehr Platz zu geben. Und wo wir schon beim Thema sind: Ich bin für das Brauhaus. Zu den Veranstaltungen dort kämen viele Leute, die anschließend in die Stadt ziehen. Ein Mehrwert für Bocholt - kulturell und finanziell.“

 

BR: „Ihre Meinung zum Nordring?“
Frank Büning: „Da bin ich ganz klar gegen, wie das jetzt geplant ist. Ein geschlossener Ring rund um Bocholt, da sehe ich die Notwendigkeit nicht. Das Stück zwischen Hemdener Weg, Adenauerallee, vorbei am Friedhof bis zur Fachhochschule, das ist eine Grünschneise in Bocholt. Wenn ich da eine Straße reinbaue, trenne ich gewachsene Wohnbereiche, bringe da Lärm und Dreck rein - das wäre eine ökologische und gesellschaftliche Katastrophe.“

 

BR: „Was gibt’s zum Thema Wohnen in Bocholt zu sagen?“
Frank Büning: „Grundsätzlich mal: Ich wohne, lebe   und arbeite gerne in Bocholt. Ich bin hier zur Schule gegangen, ich habe hier studiert, ich habe hier Fußball gespielt, Sport gemacht und bin heute noch im Fußball- und Leichtathletikverein aktiv. Was fehlt in Bocholt sind bezahlbare große Wohnungen für Familien mit zwei, drei Kindern. Da gibt’s jetzt einen deutlichen Beschluss, dass die Ewibo sich dieser Problematik annehmen muss.“

 

BR: „Die Schullandschaft in Bocholt ist okay?“
Frank Büning: „Schul- und Bildungspolitik ist zunächst mal Ländersache. Was mich ärgert, sind die sogenannten ‚Kiss-and-Go-Zonen‘, wo die Eltern mit dem Auto ihre Kinder am liebsten bis in das Klassenzimmer fahren würden. Das sorgt für Lärm und  Straßenüberlastung. Ich bin dafür, dass die Schüler die letzten 100 Meter durchaus laufen könnten. Das tut den Kindern gut.“

 

BR: „Wie wollen Sie denn Ihre Mitarbeiter in der Verwaltung führen?“
Frank Büning: „Wir haben hier in der FH flache Strukturen, vieles wird im Team besprochen und entschieden. So stelle ich mir das auch für die Verwaltung vor. Teamorientiertes Arbeiten. Im übrigen haben wir Spitzenfachleute in den Fachbereichen, die sind super organisiert. Als Bürgermeister sehe ich mich an der Schnittstelle zwischen Bürgern, Verwaltung und Politik. Da bin ich als Mensch und Vermittler gefragt.“

 

BR: „Dortmund, Schalke, Gladbach oder Bayern?“
Frank Büning: „1. FC Köln. 1978, da war ich 12 Jahre alt und in der C-Jugend beim 1. FC Bocholt, da wurde Köln Pokalsieger und Deutscher Meister. Im übrigen wünsche ich mir für Bocholt zumindest eine Regionalligamannschaft, das würde einer 75.000 Einwohner Stadt gut zu Gesicht stehen. Das ist auch ein Wirtschaftsfaktor. Außerdem bin ich gegen die Fusionen der kleinen Vereine. Borussia Bocholt gehört in die Giethorst und VfL 45 gehört aufs Hochfeld. Fußball in den Quartieren ist lebensnotwendig. In den kleinen Vereinen orientieren sich die Menschen, die Vereine sind Identifikationspunkt.“

 

BR: „Wie machen wir die Innenstadt interessant?“
Frank Büning: „Ich sags mal am Beispiel der spanischen Stadt Pontevedra. Dort hat ein Linker als Bürgermeister vor 20 Jahren die Stadt autofrei gemacht, indem er rund um die Stadt, die in etwa so groß wie Bocholt ist, 15.000 meist kostenfreie Parkplätze geschaffen. In der Innenstadt gibt es keine Ampeln und Verkehrsschilder, keine Fahrbahnmarkierungen, keine Unterschiede zwischen Bürgersteig, Radweg und Fahrbahn für Autos. Es gibt eine einfache Regel:   Fußgänger haben immer Vorfahrt, dann kommen Radfahrer, zum Schluss Autos, die auch nur als Liefer- und Anwohnerverkehr zugelassen sind und lediglich 30 km/h schnell sein dürfen. Heute ist Pontevedra eine boomende Stadt, weil dort Platz für die Menschen geschaffen wurde. So etwas habe ich auch für Bocholt vor.“

 

BR: „Was sagen Sie zur neuen Stadtsparkasse?“
Frank Büning: „Kompliment an die Herren Bollmann und Schüling. Die Straße hat sich geöffnet, das Gebäude weiter nach hinten gesetzt, der ganze Platz ist geschickt aufgebaut, da sind Grünflächen geplant. Wir können froh sein, dass die Stadtsparkasse das Gelände gekauft hat und dort hinzieht. Perfekt!“

 

BR: „Was möchten Sie über sich in der Zeitung lesen?“
Frank Büning: „Ich wünsche mir einen kompletten Wandel in der Politik, auch in Bocholt. Wir sehen, dass die Dinge weltweit aus dem Ruder laufen, Politik wird nur noch von Wirtschaftslobbyisten gemacht. Auch in Bocholt spielt Geld eine immer größere Rolle. Manchen Investor zum Beispiel im kubaai sehe ich mit Bauchschmerzen, wenn es nur noch um Gewinnmaximierung und nicht um die Ideale unserer Stadt geht. Ich wünsche mir mehr soziale, ökologische Politik für Bocholt. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass extreme Kräfte weniger an Zulauf haben. “

Die Gesichter vom Report

Bocholt./Rhede. Luisa Konst ist 16 Jahre alt und Schülerin an der Bocholter Gesamtschule am Fildekenbad. Ab diesen Herbst bereitet sie sich in der 11. Klasse auf ihr Abitur vor. Ihr Lieblingsfach ist ganz klar: Biologie. Seit Herbst 2017 arbeitet Luisa als Botin für den Bocholter Report und trägt jeden Samstag mit einem Bollerwagen im Schlepptau oder einem Korb auf ihrem Fahrrad die frisch gedruckten Zeitungen aus. 305 Exemplare sind es in ihrem gewohnten Viertel und der Schülerin gefällt dieser Job richtig gut: „Früher habe ich natürlich länger gebraucht, aber mittlerweile schaffe ich das in anderthalb bis zwei Stunden.“
Nach knapp zwei Jahren kennt sie sich richtig gut aus und muss den Zettel mit den Zusteller-Informationen kaum noch überprüfen. Die Hobbytänzerin weiß ganz genau, welcher Haushalt eine Ausgabe bekommt und hat sogar ihre Fahrtenroute entsprechend der Verteilerpunkte optimiert.
„Anfangs wusste ich nicht, wie ich am besten laufen sollte und war ein wenig überfordert. Aber das kam ganz schnell und jetzt gefällt mir die Strecke.“
Schon bevor sie 15 war, suchte Luisa eine Möglichkeit, sich zum Taschengeld etwas dazu zu verdienen. Zeitungen rumbringen erschien da die praktischste Lösung: „Ich wollte gerne eine Arbeit, die direkt vor der Haustür liegt und ich wusste, dass man als Schüler am Wochenende Zeitungen verteilen kann.“ Auf eine Suchanzeige hatte sie sich nicht speziell gemeldet, aber lokal etwas über den Bocholter Report gelesen. „Zusammen mit meinem Vater haben wir dann einfach angerufen.“ Das Arbeitsverhältnis zwischen dem Report und der jungen Bocholterin klappt seitdem reibungslos. In der Verlagszentrale des Bocholter Report kennt man Luisa als zuverlässige Botin, die flexibel und verfügbar ist, da sie auch in den Ferien regelmäßig als Vertretung einspringt. Und der Schülerin gefällt ihre wöchentliche Arbeit sehr gut: „Generell verteile ich während der Schulzeit jedes Wochenende die Samstagsausgabe. Aber in den Ferien kann ich auch mittwochs mal aushelfen oder samstags in einem anderen Bezirk. Ich habe ja die Zeit dafür“, sagt Luisa. Ein Anruf von Christiane genügt. „Wenn eine Anfrage kommt, mache ich das eigentlich immer. Das Gebiet sollte nur nicht zu weit weg sein“, erklärt Luisa.
Kontakt zu den Lesern gibt es selten, aber wenn, dann grüßt man sich immer sehr freundlich. „Ist jemand gerade draußen vorm Haus oder im Garten, wenn ich vorbeikomme, gebe ich die Zeitung gerne persönlich ab. Sonst kommt sie gefaltet und ganz in den Briefkasten.“ Toll findet die 16-Jährige auch, neue Leute kennenzulernen. „Ich habe hier auf meiner Route jetzt eine Freundin. Wir sind wohl früher zusammen auf einer Schule gewesen und sie hat mich dann in ihrem Wohnviertel mit den Zeitungen gesehen und wiedererkannt. Seitdem sind wir sehr gut befreundet und sehen uns regelmäßig – schon allein, wenn ich die Zeitungen rumbringe. Sie hat mich auch schon einige Male dabei begleitet. Das ist immer schön“, erzählt Luisa­­.
Auch die übrigen Leser  aus „ihrem Bezirk“ (er)kennen ihre freundliche Botin. „Ich habe auch noch nie Probleme gehabt. Die Bewohner hier sind richtig nett." Eine Anwohnerin hat sich auch schon mehrmals mit kleinen Geschenken für die zuverlässige Lieferung ihrer Wochenzeitung bei dem jungen Mädchen bedankt: „Von ihr habe ich schon zwei Mal zu Weihnachten eine Dankeskarte bekommen und letztes Mal sogar Kekse dazu.“ Solche Gesten zeugen von Dankbarkeit und Wertschätzung und freuen Luisa ganz besonders.

Was der Hobbysportlerin an ihrem Job sonst noch gut gefällt: „Man kommt raus, ist draußen und sizt nicht ständig im Haus. Meistens höre ich während des Verteilens über Kopfhörer Musik. Das ist total entspannend.“ Dann ergänzt sie fröhlich: „So ein Wetter wie im Moment, mit Sonnenschein,  ist natürlich am besten.“ Aber das ist nicht immer so. „Am Schlimmsten ist es, wenn es regnet. Mittlerweile habe ich aber Taschen, die die Zeitungen vor Nässe schützen, seitdem geht’s“, berichtet die Jugendliche. Wind ist auch nicht so toll: „Da fliegen die Zeitungen schon mal schnell weg.“ Gegen den Rest kann man sich kleiden: „Wenn es richtig kalt ist, ziehe ich einfach Handschuhe an.“ Bei sehr hohen Temperaturen wie vor einigen Wochen wartet Luisa einen kühleren Moment am Tag ab: „Dann gehe ich eben sehr früh oder sonst etwas später, um die große Hitze zu meiden. Aber absagen würde ich wegen so etwas nie.“

Ob sich der Job lohnt? „Ja, definitiv! Seitdem ich für den Bocholter Report Zeitungen verteile, bin ich finanziell nicht mehr so auf meine Eltern angewiesen“, erklärt sie. „Es ist schön, sich seine Sachen selbst kaufen zu können. Ich kann mir auch mehr kaufen als vorher. Generell versuche ich das Geld aber auch zu sparen – für meinen Führerschein zum Beispiel.“ Zwischendurch gönnt sich Luisa von ihrem „Extra-Geld“ dann doch mal ein Paar neuer Schuhe. Denn man gönnt sich ja sonst nichts. Wenn man selber Geld verdient, überlegt man sich genau, wofür man es ausgibt und erfreut sich dann umso mehr an dem, was man dafür erstanden hat.

„Ich habe nach diesem Sommer noch drei Jahre Schulzeit vor mir, da ich jetzt Abitur mache. Solange ich noch Zeit dazu habe, verteile ich den Bocholter Report auf jeden Fall weiter. Wieso sollte ich wechseln oder aufhören, wo ich doch keine Probleme habe und zufrieden mit meiner Arbeit bin?“
Die junge Botin wüsste nicht, wieso sich das ändern sollte: „Klar, es gibt auch Tage, da hat man nicht so richtig Lust, aber wenn ich dann einmal draußen bin, geht selbst das ganz schnell vorbei.“

Bezüglich guter Eigenschaften, die ein Zeitungsbote ihrer Meinung nach haben sollte, ist für Luisa die Begeisterung am wichtigsten. Und Zuverlässigkeit sogar selbstverständlich: „Man sollte auf jeden Fall immer motiviert sein, wenn man sich als Verteiler meldet. Es bringt ja nichts, sich erst anzumelden, um dann jedes Mal abzusagen, weil man keine Lust hat.“ Auch findet sie, man sollte immer freundlich sein, wenn man Anwohnern auf der Straße begegnet, denn dann bekommt man auch Freundlichkeit zurück.

Welche Beweggründe hat Werner Hebing aus Rhede, um seine langjährige Treue zum Bocholter Report und seine hohe Zuverlässigkeit bei der Auslieferung begründen zu können?

„Als ich damals nach Rhede gezogen bin, habe ich eine sinnvolle Beschäftigung für mich gesucht. Seit fast 10 Jahren trage ich jetzt den Bocholter Report aus und das hält mich fit und jung“, sagt  Werner Hebing. Zweimal die Woche trägt er rund 700 Zeitungen für den Bocholter Verlag aus und beginnt damit oft schon in aller Herrgottsfrühe: „Der Report wird morgens früh geliefert und ich bin dann so etwa fünf Stunden unterwegs“, beschreibt Hebing seine Arbeitsweise. „Ich habe so einen kleinen Anhänger, da packe ich die Zeitungen rein und dann geht’s los.“ Wenn er seine Tour beendet hat, ist der Bote insgesamt gut 15 km gelaufen. „Sport treibe ich nicht“, schmunzelt Werner, „zweimal die Woche den Report zu verteilen ist mein Sportersatz.“

Im Moment haben wir angenehmes Wetter, trocken und nicht zu heiß. Ab und zu weht eine angenehme Brise. Wenn es regnet, bedeutet das für die Zusteller, verteilen unter erschwerten Bedingungen. „Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung – das ist alles eine Frage der Einstellung“, beschreibt der erfahrene Bote seine Haltung, „wichtig ist, dass bei Regen die Zeitung nicht nass wird, deshalb stecke ich den Report immer ganz in den Briefkasten. Dass er halb heraushängt, das gibt es bei mir nicht.“
Der Lohn für seine gewissenhafte Arbeit bekommt der 72-Jährige in Form von kleinen Aufmerksamkeiten durch die Anwohner seines Bezirks: „Ab und zu gibt es mal ein Geschenk, eine Schachtel Pralinen oder eine Tafel Schokolade. Seltener schon mal ein Trinkgeld.“ Und einmal ins Plaudern gekommen, berichtet der Rentner von seinen schönsten Erlebnissen: „Ich habe einen Kunden, der züchtet im Garten Weihnachtsbäume und in der Adventszeit bekomme ich jedes Jahr einen kleinen Weihnachtsbaum geschenkt. Ein anderer hat im Garten Kirschbäume und Weintrauben. Da bekomme ich schon mal  ein Schälchen mit Obst, da liegt ein handgeschriebenes Zettelchen mit dem Hinweis  ‚Für Dich, lieber Werner’.“

Wer seinen Bezirk so in- und auswendig kennt wie Werner Hebing, der bekommt mit, wenn Leute wegziehen oder Neuankömmlinge einziehen. „Bei Hinzugezogenen frage ich zunächst, ob sie den Report haben möchten und wenn sie aus Bocholt kommen, sagen sie meistens ja.  Wenn Leute wegziehen und die Wohnung steht leer, dann liefere ich selbstverständlich keine Zeitung. Da quillt lediglich der Briefkasten über, das muss ja nicht sein.“
Dass der Job dann auch mal spannend sein kann, hat der Zusteller auch schon erfahren: „Ich kam zu einer Wohnung, da stand die Tür offen. Ich habe laut gerufen, bekam aber keine Antwort. Ich habe zunächst weitere Häuser beliefert, bin später nochmal zurück und habe dann die Polizei verständigt. Es stellte sich heraus, dass die Bewohner den Fernseher so laut hatten, dass sie mich nicht gehört haben. Die Polizei hat mich allerdings für meine Aufmerksamkeit gelobt.“ Auf seiner nächtlichen Tour kommt der Bote auch am Rheder Rathaus vorbei und nach den letzten Einbrüchen hat er dort ein besonders wachsames Auge. „Die Einbrecher kommen aber wohl an anderen Tagen, ich habe bisher nichts Verdächtiges bemerkt.“

Den Kontakt zum Bocholter Report halten die Boten über Christiane Junker. Sie koordiniert den Einsatz der Zusteller und kümmert sich um Neueinstellungen. „Zu Frau Junker habe ich einen guten Draht“, sagt Werner Hebing, „sie ist immer freundlich und auch wenn ich mal unangemeldet komme, hat sie einen Kaffee und nette Worte parat.“
Für die freien Bezirke wünscht sich Christiane Junker weitere
Zusteller: „Wer bei uns als Bote arbeiten möchte, der sollte körperlich fit sein, mindestens 13 Jahre alt und egal ob Schüler, Hausfrau, Rentner oder Berufstätiger, ich freue mich über jede Bewerbung.“ Die ist im übrigen ganz einfach: Christiane Junker ist entweder telefonisch  unter 02871-259813 oder per E-Mail (christianejunker@bocholter-report.de) zu erreichen. „Ich habe wirklich großen Respekt vor der Arbeit unserer Zusteller“, sagt Christiane Junker, „unsere Boten sind zuverlässig, pünktlich und trotzen jedem Wetter. Von vielen höre ich, dass sie, seitdem sie den Report austragen,  keine Erkältung mehr gehabt haben. Die Arbeit unserer Zusteller ist sehr wichtig, denn egal, wie sehr sich unsere Verkäufer, Redakteure und Mediengestalter anstrengen, wenn die Zeitung beim Leser nicht ankommt, war die ganze Arbeit umsonst. Die Boten gehen also im wahrsten Sinne des Wortes den letzten Schritt zu unseren Lesern. Sie sind das Gesicht vom Bocholter Report.“

Die Gelbe Tonne kommt

Bocholt (Rü/ PID). Berge mit Gelben Säcken am Straßenrand sind in Bocholt bald Geschichte: Ab September wird die Gelbe Tonne zum Sammeln und Wiederverwerten von Leicht-verpackungen eingeführt. Bis Ende des Jahres werden 20.000 Gefäße mit gelben Deckeln an Bocholter Haushalte ausgeliefert. Das teilt der Entsorgungs- und Servicebetrieb Bocholt (ESB) mit. Die Auslieferung erfolgt automatisch nach Stadtteilen, d.h. Bürger brauchen sich im Normalfall nicht zu melden – es sei denn, sie haben einen Änderungswunsch. Wer die Tonne ab September bekommt, kann sie statt Gelber Säcke sofort benutzen. Standardmäßig wird eine 240 Liter-Tonne ausgeliefert. Da hinein passt der Inhalt von mindestens fünf Gelben Säcken. Wer presst, bekommt auch mehr rein. Die Tonne wird 4-wöchig geleert. Ausnahme: In der Innenstadt erfolgt die Leerung alle 2 Wochen. Kleinere Haushalte können eine 120 Liter-Tonne bekommen.
In der Gelben Tonne dürfen Verpackungen aus Kunststoff, Metall und Verbundmaterialen entsorgt werden. Restabfälle gehören dort nicht hinein. Wer mehr als eine 240 Liter-Tonne benötigt oder wer nur eine 120 Liter-Tonne braucht bzw. gar keine Tonne haben möchte, soll dies bis zum 23. August 2019 dem ESB melden. Ein Online-Formular steht im Internet unter: www.esb.bocholt.de zur Verfügung. Alternativ kann eine E-Mail an gelbetonne@esb. bocholt.de gesendet werden.
Telefonisch berät der ESB unter Tel. 02871 2463-12, -14 oder -24. „Mindestens 80 Prozent der Bocholter Bürgerinnen und Bürger werden sich über die Einführung der Gelben Tonne freuen", schätzt ESB-Leiter Gisbert Jacobs. „Die Wünsche wurden in der Vergangenheit immer wieder an den ESB gerichtet." Jacobs verspricht sich eine höhere Zufriedenheit mit dem neuen Sammelsystem und glaubt, dass sich die recyclebare Menge an gesammeltem Wertstoff erhöhen wird. Neben Bocholt werden übrigens weitere zehn Städte des Kreises Borken die Gelbe Tonne einführen. In sieben Kreisgemeinden gibt es die Wertstofftonne bereits seit längerer Zeit. Informationen und Antworten rund um die Einführung der Gelben Tonne in Bocholt sind auf der Seite www.bocholt.de/rathaus/esb/gelbe-tonne zu finden.

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