Report Verlags GmbH · Jägerstraße 1 · 46395 Bocholt · Tel. +49-(0)2871-2598-0 · zentrale@bocholter-report.de
Report Verlags GmbH · Jägerstraße 1 · 46395 Bocholt · Tel. +49-(0)2871-2598-0 · zentrale@bocholter-report.de

Kein Herz für Camper?

• Nur ein Beispiel: Heiko und Ralf waren jetzt aus Hessen zu Gast, vier Tage wollten sie in Bocholt verbringen, Freunde treffen, in der Innenstadt abends die lauen Sommerabende genießen. Aber mit Gespann? Keine Chance. So hieß es für die zwei Touristen: M
• Michael Stahl betreibt mit seiner Frau Sonja den WoMo-Park „Am Aasee“. Zuletzt warb er auf der Messe Caravan Salon für Bocholt. Er wünscht sich ein größeres Platzangebot „nach hinten raus“, das Reisemobilisten, die einen längeren Aufenthalt planen, mehr

Von Gabi Frentzen

 

Bocholt. Der Campingtourismus hat in den vergangenen Jahren stark zugelegt. Mit Reisemobil oder Wohnwagen genießen Camper ihre Freiheit, fahren in den Urlaub und genießen auf Städtetrips Einkaufs- und Freizeitspaß. Statistiken zufolge geben Touristikcamper um die 50 Euro pro Tag aus. In Bocholt lassen können sie dieses Geld allerdings nicht - es gibt ja keinen Campingplatz. Wohl aber die Reisemobilisten, die finden vor Ort zwar Stellplätze, aber die Bedingungen sind nicht die besten. Zugeparkt, zu weit weg, zu laut – stellt sich die Frage: Kann eine Stadt wie Bocholt Campingtouristen wirklich nicht mehr bieten?

 

Anfrage bei der Tourist-Info. „Entschuldigung, wir suchen in Bocholt einen Campingplatz.“ Antwort: „Tut uns Leid, haben wir vor Ort nicht - aber wir verfügen über einen Wohnmobilstellplatz.“ Nächste Frage: „Aber wir haben einen Wohnwagen...“ Antwort: „Hm, dann können wir eigentlich nicht helfen, aber einen Augenblick mal...“

...ich gebe ihnen mal die Rufnummer vom WoMo-Park, und ein paar Kilometer entfernt gibt’s den Campingplatz  Dingdener Heide...“ Fazit: Besagter Camping-Tourist muss  nun Glück haben, wenn er in Bocholt unterkommen möchte: Auf dem Gelände vom WoMo-Park „Am Aasee“ muss noch ein Plätzchen frei sein, noch dazu muss der Platzbetreiber zumindest für eine Nacht ein Auge zudrücken, denn diese Plätze sind ausschließlich Reisemobilisten vorbehalten.

 

Von „zugeparkt“ bis „Wohnwagen-Abstellplatz“

 

Aber warum hat Bocholt eigentlich keinen Campingplatz? Bruno Wansing vom Presseamt der Stadt Bocholt auf Report-Anfrage: „Vor einiger Zeit gab es in der Tat eine Anfrage für einen Campingplatz, der im Bereich des Aasees installiert werden sollte.“ Dazu hätte ein aufwändiges Bebauungsplanverfahren vorgenommen werden müssen, die Kostenübernahme dafür allerdings habe der Investor nicht tragen wollen. Zur Erklärung: Das Bebauungsplanverfahren beschäftigt sich mit Fragen der Akzeptanz in der Nachbarschaft, der Erschließung, des Naturschutzes sowie des Immissionsschutzes - inklusive Kostenübernahme für Lärmschutzeinrichtungen. Auch der Parkplatz am Bahia-Bad soll schon mal Thema gewesen sein. „Gereicht“ hat es letzlich aber wohl nur für ein geringes Platzangebot, das zumeist noch dazu von Badegästen zugeparkt wird. Weitere „unversorgte“ Stellplätze finden sich „Unter den Eichen“. Hier handelt es sich aber ausschließlich um einen Parkplatz, auf dem übrigens selten Reisemobilisten zu finden sind – eher könnte man den Eindruck gewinnen, es handelt sich hier um einen „Wohnwagen-Abstellplatz“.

 

Mehr Sicherheitsgefühl - aber leider auch laut

 

Von der Attraktivität und fehlenden Nähe zur Stadt einmal abgesehen, muss der Camping-Tourist hier noch dazu auf Ver- und Entsorgungsmöglichkeiten verzichten. Wer mehr Komfort wünscht, der fährt eben zum Wohnmobilpark „Am Aasee“. Gegen Gebühr sind hier rund 50 Stellplätze verfügbar - Strom, Frischwasser und Abwasserversorgung sowie das Nutzen der Sanitäranlagen inklusive. Hört man sich dort unter den Reisemobilisten um, wird deutlich: Hier fühlt man sich nicht zuletzt auch deutlich sicherer als „alleine hinten am Stadtwald“. Allerdings gibt’s auch hier ein Manko: Es ist insbesondere nachts oft einfach zu laut.

 

Wunsch nach mehr Plätzen

 

Die Lage ist an sich wunderbar: Der WoMo-Park „Am Aasee“ liegt direkt am Aasee, noch dazu geht’s die Aa entlang zu Fuß schnell in die Innenstadt und zu den verschiedensten Veranstaltungsorten. Aber Ruhe und Entspannung, die findet man hier eher nicht. „Die Uhlandstraße ist trotz B67n stark befahren“, so Stellplatzbetreiber Michael Stahl. Seit fünf Jahren ist er „Herbergsvater“ für Reisemobilisten, die es nach Bocholt verschlägt. Noch dazu duellierten sich an den Wochenenden hier gerne mal junge Raser. Busse, LKW, Traktoren täten ihr Übriges. Trotzdem liebe er den Standort, sagt der Bocholter. Um der Nachfrage und Wünschen der Camper aber gerecht werden zu können, benötige er einfach mehr Platz. Dann könne er die Touristen, die gerne länger blieben, besser - sprich: ruhiger - platzieren. Dabei liebäugelt der Stellplatzbetreiber mit dem nicht genutzten Aschenplatz hinter seinem Gelände. „Damit könnte ich auf bis zu 75 Plätze erweitern – und das würde Angebot und Nachfrage gut deckeln“, so Stahl.

 

„Da geht noch was“

 

Dass der Platz am Aasee beliebt ist, wissen auch Stadtverwaltung und Stadtmarketing. „Ob die Anzahl an Wohnmobilstellplätzen, so wie sie derzeit gegeben ist, ausreichend sind, lässt sich aus Sicht der Stadtverwaltung nicht beantworten“, so Bruno Wansing. „Wenn man mal die Zahlen anschaut, dann waren 2015 nach unserem Kenntnisstand rund 7.000 Reisemobile mit Übernachtung auf dem WoMo-Park zu Gast. Das wären bei zumeist zwei Personen rund 14.000 Übernachtungsgäste.“ Aus Erfahrung aber weiß Betreiber Michael Stahl: „Da geht da noch was.“

 

Auch Stadtmarketing sieht Potential

 

Einen besseren Service für Campingtouristen wünschen sich auch Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung. Ludger Dieckhues: „Werfen wir nur mal einen Blick auf das Caravan Center Bocholt im I-Park, hier wird nicht nur deutlich, wo die Reise hingeht, sondern dass Camper ein gutes und noch dazu kaufkräftiges Publikum  sind.“ Er könne - sofern baulich und baurechtlich umsetzbar - einen Campingplatz für Bocholt nur befürworten. „Wenn man sich mal ansieht, wie diese Plätze heute gestaltet werden können - von Pool bis hin zu festen Häusern -, da wäre ein solcher Gewinn für unsere Stadt und zugleich ein Angebot für die Touristen, die sich gerne im Freien bewegen.“ Wenn im benachbarten niederländischen Achterhoek 17 Campingplätze, teils auch sogenannte Minicampings, tätig sein könnten, dann müsse gerade für eine Stadt wie Bocholt genug Potential da sein.  Er sehe den Einsatz, den Sonja und Michael Stark mit dem WoMo-Park „Am Aasee“ leiste, als „gute Sache“, hier könne man mehr machen, man müsse dranbleiben.

Eine Ausstellung - zwei Orte

Mario Wallner zeigt seine Fotos in Rhede vom 1.2. bis 8.3.17. (Fotos: Klaus Rühling)

Bocholt/Rhede. (rü) Das neue Projekt des Rheder Künstlers Mario Wallner, eine Fotoausstellung zum Thema „Die Hände der Alten“, nimmt konkrete Formen an. In der Zeit vom 1. Februar 2017 bis voraussichtlich zum 8. März 2017 werden die rund 60 Fotografien zeitgleich in Bocholt und in Rhede zu sehen sein. Konzentriert hat sich Wallner dabei auf Hände...

„Als Senioren- und Demenzbegleiter habe ich beruflich mit älteren Menschen zu tun“, sagt Mario Wallner, „und da ist mir aufgefallen, wie viel man tatsächlich über einen Menschen erfährt, wenn man seine Hände betrachtet. Man kann sehen, wie alt er ungefähr ist, Krankheiten lassen sich daran ablesen, ob er körperlich gearbeitet hat, wie es um seine Körperpflege bestellt ist.... solche alltäglichen Dinge eben“.

 

Zu einem Foto erhält Mario Wallner besonders viele Reaktionen. Es ist das Motiv, das der Künstler oben auf dem Foto hält. Es zeigt eine junge schwarze Hand, die von einer alten weißen Hand ergriffen wird. „Viele Leute erinnert das an ein Kriegsfoto“, sagt der Rhedenser, „eine alte Hand, die den Krieg mitgemacht hat, ergreift eine junge Hand, die aus dem Krieg kommt, so interpretiere ich das“. Sollten von den Fotos während der Ausstellung einige verkauft werden, so will Wallner den Erlös an den Verein Trotzdemenz von Helga Rohra spenden.

 

Besuchen Sie uns auch bei Facebook!